Wer Fußball schaut, kennt das Gefühl: Ein Team dominiert, schießt aufs Tor – und verliert trotzdem. Genau hier setzt die Statistik xG an, die Torwahrscheinlichkeiten sichtbar macht, wo das bloße Auge nur Chaos sieht. Sie übersetzt Schüsse in Zahlen zwischen 0 und 1 und hilft Fans, Trainern und sogar Buchmachern, Leistung nüchterner einzuschätzen als das Ergebnis allein.
Elfmeter: 0,76 · Großchance (6 m): 0,5 – 0,6 · Weitschuss (20 m): 0,05 – 0,1 · Kopfball (5 m): 0,3 – 0,4
Kurzüberblick
- Die exakte Gewichtung der Faktoren in kommerziellen Modellen wie Opta ist nicht öffentlich einsehbar
- Ob xG auch Eigentore oder Abseitspositionen berücksichtigt, variiert je nach Anbieter
- Seit den frühen 2010er-Jahren etablierte sich xG im professionellen Analytics
- Die DFL berücksichtigt seit Saison 2021/22 das Attribut „Shot Condition”
- xG wird zunehmend mit Metriken wie xA und xT kombiniert
- Die Bundesliga stellt auf ihrer Plattform Live-xG-Daten bereit
Die wichtigsten Eckdaten zu xG auf einen Blick:
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Was ist xG? | Erwartete Tore (Expected Goals) |
| Einheit | Wahrscheinlichkeit von 0 bis 1 |
| Berechnung basiert auf | Historischen Schussdaten (Opta, StatsBomb) |
| Typischer Wert für Elfmeter | 0,76 – 0,79 |
| Typischer Wert für Weitschuss (20 m) | 0,05 – 0,1 |
| Großchance (6 m) | 0,5 – 0,6 |
Was bedeutet der xG-Wert?
Die Bedeutung von xG im Fußball
Der Begriff xG steht für Expected Goals und bezeichnet im Fußball die erwartete Anzahl an Toren, basierend auf der Qualität der Torchancen eines Teams oder Spielers (Miasanrot (FC-Bayern-Analytik-Blog)). Ein xG-Wert ist die statistische Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmter Schuss zu einem Tor führt – er wird als Zahl zwischen 0 und 1 angegeben (Hudl (internationaler Datenanbieter)).
Ein xG-Wert von 0,2 bedeutet, dass ein solcher Abschluss in etwa 2 von 10 vergleichbaren Situationen in ein Tor umgewandelt wurde (Soccerdrills (Fachportal für Trainingswissen)).
Das entscheidende Merkmal: xG ist nicht spielerspezifisch. Das Modell macht keinen Unterschied, ob Lionel Messi oder ein durchschnittlicher Verteidiger aus derselben Position abschließt – entscheidend sind Positions- und Situationsdaten (ZDF sportstudio (Sportanalytik-Erklärvideo)). Das Modell berücksichtigt typischerweise nicht, welcher konkrete Spieler abschließt.
Wie unterscheidet sich ein niedriger von einem hohen xG-Wert?
Ein niedriger xG-Wert – etwa unter 0,1 – weist auf eine geringe Torwahrscheinlichkeit hin, typisch für Schüsse aus großer Distanz oder schwierigem Winkel. Ein xG-Wert über 0,5 gilt bereits als sehr gute Torchance, eine sogenannte Großchance.
Im Bundesliga-Saisonvergleich liegt der kumulierte xG pro Spiel für die meisten Teams zwischen 1,0 und 2,5 (WEB.DE (Bundesliga-Medienpartner)). Das zeigt: Ein einzelner Schuss mit hohem xG kann den Unterschied in einem engen Spiel ausmachen.
Wie wird der xG-Wert berechnet?
Die zugrundeliegende Formel
Die exakte Formel ist bei den großen Anbietern proprietär, aber das Prinzip ist einheitlich: Jeder Abschluss wird mit Tausenden historischen Schüssen mit ähnlichen Merkmalen verglichen, um daraus eine Trefferwahrscheinlichkeit abzuleiten (Hudl (internationaler Datenanbieter)). Moderne xG-Modelle stützen sich auf Tausende historischer Schüsse, deren Merkmale statistisch ausgewertet werden.
Der xG-Wert einer Mannschaft in einem Spiel ergibt sich aus der Summe der xG-Werte aller einzelnen Schüsse dieses Teams (Soccerdrills (Fachportal für Trainingswissen)). Für Spieler werden Saison-xG-Werte berechnet, indem der xG-Wert pro Schuss mit der Gesamtzahl seiner Schüsse in einer Saison multipliziert wird.
Es existiert kein einheitliches xG-Modell – Opta, StatsBomb und die DFL verwenden verschiedene Datengrundlagen, Feature-Sets und Algorithmen, weshalb xG-Werte zwischen Anbietern leicht variieren können (Miasanrot (FC-Bayern-Analytik-Blog)).
Faktoren, die die Berechnung beeinflussen
Zu den wichtigsten Faktoren in den meisten xG-Modellen gehören die Distanz zum Tor, der Winkel, das Körperteil (Fuß oder Kopf) und die Art der Vorlage – etwa Steckpass, Flanke, Standard oder Dribbling (Hudl (internationaler Datenanbieter)). Laut ZDF sportstudio zählen zusätzlich Gegnerdruck, Torwartposition und Schussgeschwindigkeit zu den relevanten Parametern.
Die DFL berücksichtigt in ihrem xG-Modell seit der Saison 2021/22 zusätzlich das Attribut „Shot Condition”, das Einschränkungen wie mögliche Blockversuche von Gegenspielern abbildet (WEB.DE (Bundesliga-Medienpartner)). Elfmeter werden in der Regel mit einem konstanten Wert von etwa 0,79 xG modelliert, was der durchschnittlichen Trefferquote von Strafstößen entspricht.
Ist ein höherer xG-Wert besser?
Vergleich mit tatsächlichen Toren
Ein hoher xG-Wert deutet auf viele und/oder hochkarätige Chancen hin, was im Allgemeinen positiv ist. Ein Team mit einem höheren kumulierten xG als dem gegnerischen hat wahrscheinlich mehr Torchancen erarbeitet. Allerdings sagt xG nichts über die Effektivität der Chancenverwertung oder Glück aus – ein hoher xG garantiert keine Tore.
Das Paradebeispiel liefert Robert Lewandowski: In der Bundesliga-Saison 2020/21 erzielte er 41 Tore, während sein xG-Wert bei rund 28,7 lag – eine massive Überperformance gegenüber der Modell-Erwartung (ZDF sportstudio (Sportanalytik-Erklärvideo)). Wer mehr Tore schießt als xG erwarten lässt, gilt als überperformend; wer weniger erzielt, als unterperformend.
xG zeigt explizit nicht, welche Mannschaft ein Spiel „verdient” gewonnen hat – Teams mit höherem xG verlieren regelmäßig Spiele, weil ein einziger Glückstreffer das Ergebnis drehen kann (Wettfreunde (Sportwetten-Portal)).
Wann ist xG irreführend?
Kurzfristig kann ein niedriger xG durch einen einzigen Glückstreffer zu einem Tor führen – das macht die Metrik langfristig aussagekräftiger als einzelne Spiele. Ein konkretes Beispiel aus der Bundesliga zeigt das: In einem Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund wurden xG-Werte von 2,92 für Frankfurt gegenüber 1,87 für Dortmund angegeben – was die höhere Qualität der Frankfurter Abschlüsse illustriert, unabhängig vom tatsächlichen Ergebnis.
Entscheidend ist daher die Stichprobengröße: xG ist besonders hilfreich, um die Leistung eines Teams über mehrere Spiele oder eine gesamte Saison zu analysieren, weil er zufallsbedingte Schwankungen in der Chancenverwertung teilweise ausfiltert.
Was ist ein guter xG-Wert?
Durchschnittliche xG-Werte in der Bundesliga
Es gibt keinen universellen „guten” Wert – er hängt von der Spielposition, der taktischen Rolle und der Anzahl der Schüsse ab. Im Teamvergleich liegt der kumulierte xG pro Spiel in der Bundesliga meist zwischen 1,0 und 2,5. Ein einzelner xG-Wert über 0,5 gilt bereits als sehr gute Torchance.
Die Bundesliga nutzt xG-Werte inzwischen auch im Live-TV, um zu veranschaulichen, welche Mannschaft mehr Torgefahr ausstrahlte, unabhängig vom tatsächlichen Endstand (WEB.DE (Bundesliga-Medienpartner)). Auf der offiziellen Bundesliga-Plattform sind Match-Center-Statistiken mit xG-Daten abrufbar.
Guter xG im Kontext der Spielposition
Ein Stürmer, der pro Schuss einen xG von 0,2 oder höher erzielt, verwertet überdurchschnittlich gute Chancen. Das bedeutet: Er schießt selten aus aussichtslosen Positionen, sondern wartet auf Gelegenheiten mit höherer Wahrscheinlichkeit. Die Metrik xG lässt sich mit weiteren Daten kombinieren, etwa xA (Expected Assists), um nicht nur die Abschlüsse, sondern auch die Qualität der vorbereitenden Pässe zu bewerten.
„xG kann langfristig zeigen, ob ein Stürmer seine Chancen überdurchschnittlich verwertet – oder ob er Glück hatte.”
— Wettbasis (Sportwetten-Analysen)
Welche Spieler und Teams haben die extremsten xG-Werte?
Harry Kanes xG-Wert in der Saison 2025/26
Harry Kane erzielt konstant hohe xG-Werte pro Spiel. In der Premier League zeigen Daten, dass Top-Stürmer regelmäßig xG-Werte von über 0,8 pro 90 Minuten erreichen. Solche Extremwerte verdeutlichen, wie dominant ein Spieler Torchancen herausspielt.
Das Team mit dem niedrigsten xG in der Premier League
Der niedrigste kumulierte xG-Wert eines Teams in einem Premier-League-Spiel liegt bei etwa 0,2 – das zeigt eine Partie, in der eine Mannschaft praktisch keine nennenswerte Torchance kreierte. Solche Extremwerte sind rar, illustrieren aber die Bandbreite der Metrik.
Die Bundesliga-Saison 2020/21 lieferte ein extremes Einzelbeispiel: Lewandowski überperformte seinen xG-Wert um mehr als 12 Tore. Das wirft die Frage auf, ob klassisches xG individuelle Abschlussqualitäten ausreichend abbildet – neuere Modelle versuchen, diesen Faktor stärker zu gewichten.
Bestätigte Erkenntnisse
- xG misst die Torwahrscheinlichkeit eines Schusses basierend auf historischen Daten
- Ein xG-Wert von 1 bedeutet, dass der Schuss in der Vergangenheit in 100 % der Fälle zu einem Tor führte
- xG ist eine aggregierte Metrik – kein Urteil über individuelle Spielernoten
Unklare Punkte
- Die exakte Gewichtung der Faktoren in kommerziellen xG-Modellen (Opta, StatsBomb, DFL) ist nicht öffentlich einsehbar
- Ob xG auch Eigentore oder Abseitspositionen berücksichtigt, variiert je nach Modell
Vergleich: xG-Modelle der wichtigsten Anbieter
Vier Datenanbieter, vier Ansätze – hier die wesentlichen Unterschiede:
| Anbieter | Hauptmerkmal | Einsatzbereich |
|---|---|---|
| Opta | Frühester etablierter Anbieter; umfangreiche Schussdatenbank | Internationale Medien, Vereinsanalytik |
| StatsBomb | Detaillierte Modellierung inkl. Pre-Shot-xG | Analysten, Forscher |
| DFL | Berücksichtigt Shot Condition seit 2021/22 | Bundesliga-Plattform, deutsche Medien |
| Hudl | Breite Datenbasis mit Fokus auf Vereinsanalytik | Trainer, Scouting-Abteilungen |
Was die Tabelle zeigt: Kein Modell ist falsch, aber jedes bildet die Realität etwas anders ab. Für die Bundesliga-Praxis genügt es, die Richtung zu verstehen – nicht die exakte Formel.
Fazit: xG ist keine Glaskugel, aber ein Werkzeug, das subjektive Eindrücke objektiviert. Wer xG versteht, schaut Fußball mit anderen Augen.
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Häufig gestellte Fragen
Wie oft wird der xG-Wert aktualisiert?
Live-Datenanbieter wie Opta aktualisieren xG-Werte nach jedem Schuss in Echtzeit. Saisonstatistiken werden nach jedem Spieltag fortgeschrieben. Die Modelle selbst werden regelmäßig mit neuen Spieldaten nachtrainiert, um die Kalibrierung zu verbessern.
Kann xG auch für andere Sportarten wie Eishockey verwendet werden?
Das Konzept von Expected Goals lässt sich auf andere Ballsportarten übertragen. Im Eishockey existiert mit xG ein ähnliches Modell für erwartete Tore. Die Herausforderung liegt in der Datenqualität und den spezifischen Spieldynamiken jeder Sportart.
Was ist der Unterschied zwischen xG und xA (Expected Assists)?
xG bewertet die Qualität von Schüssen, xA die Qualität von Pässen, die zu Schüssen führen. Beide Metriken zusammen geben ein vollständigeres Bild der Offensivleistung eines Spielers oder Teams als jede Metrik allein.
Wie beeinflusst die Schusstechnik den xG-Wert?
Der klassische xG-Wert berücksichtigt die Schusstechnik nicht – er basiert auf Positions- und Situationsmerkmalen. Neuere Modelle wie Pre-Shot-xG versuchen, auch Passfolgen und Spielzüge vor dem Schuss zu erfassen, was die Technik indirekt einbezieht.
Gibt es xG-Werte für Torhüter?
Es gibt Post-Shot-xG (PSxG), das die Qualität der auf das Tor kommenden Schüsse misst und mit den tatsächlich kassierten Toren vergleicht. So lässt sich erkennen, ob ein Torhüter über- oder unterdurchschnittlich hält.
Welche Rolle spielt der xG-Wert bei Sportwetten?
xG wird von Wettanbietern und -analysten genutzt, um Teamleistungen jenseits von Ergebnissen zu bewerten und Quoten einzuschätzen. Ein Team mit konstant hohem xG, aber niedrigen Ergebnissen, gilt als Kanditat für eine Ergebnisverbesserung.
Wie genau ist der xG-Wert im Vergleich zu anderen Metriken?
xG ist genauer als reine Schusszahlen oder Torschüsse, weil er die Qualität berücksichtigt. Über eine Saison gesehen, korreliert Team-xG stark mit der Punktzahl. In einzelnen Spielen bleibt xG jedoch anfällig für Zufallstreffer.
Elias Norberg
Elias Norberg ist verantwortlich für Forschungsstruktur, statistische Konsistenz und Quellenüberprüfung bei FootyPedia. Er konzentriert sich auf Spieleraufzeichnungen, Vereinsgeschichten, Spielkontext und die Genauigkeit von Daten, Namen, Transfers und Wettbewerbsdetails.