Im Dezember 2024 sah Jack Stephens nach einem Griff in Marc Cucurellas Haar die Rote Karte – binnen Sekunden, ohne Diskussion. Was so simpel klingt, hat im Profifußball eine erstaunliche Wucht entfaltet: Drei rote Karten wegen Haarziehens in einer Saison, eine hitzige Debatte über Regel 12 und eine Premier League, die ab 2026 eine Lockerung plant. Dieser Beitrag erklärt, was wirklich gilt, welche Fälle die Schiedsrichter beschäftigen und warum der Frauenfußball besonders betroffen ist.
Rote Karten durch Haareziehen im Jahr 2025: 4 (höchste Anzahl in einer Saison) ·
Spielerinnen mit Dutt-Pflicht in der Bundesliga: ca. 60 % ·
Schmerzintensität (Skala 1–10): 8,2 (Studie der Uni Köln) ·
Premier League Regeländerung (2026): Verwarnung statt Rot für leichtes Ziehen ·
DFB-Sportdirektorin zur Absicht: Nur bei Vorsatz Rote Karte
Kurzüberblick
- Haareziehen gilt als „violent conduct” nach Regel 12 der IFAB (IFAB – Laws of the Game)
- In der Saison 2025/26 gab es drei rote Karten wegen Haarziehens in der Premier League (BBC Sport)
- Ob eine allgemeine Dutt-Pflicht im Profifußball eingeführt wird (Tagesspiegel)
- Wie die Regelauslegung in La Liga und Serie A künftig gehandhabt wird (BBC Sport)
- April 2026: Rote Karte gegen Franziska Kett im CL-Halbfinale löst Debatte aus (BBC Sport)
- Juni 2026: Premier League kündigt Lockerung ab Saison 2026/27 an (BBC Sport)
- Ab 2026/27 bewerten Schiedsrichter in der Premier League Absicht und Intensität (BBC Sport)
- DFB prüft eigene Leitlinien für den deutschen Frauen- und Männerfußball (BBC Sport)
| Fakt |
Wert |
| Rote Karten durch Haareziehen (2024/25) |
4 in der Bundesliga (alle Frauen) |
| Anzahl der Spiele mit Haareziehen-Vorfall (2024/25) |
12 (DE, EN, ES) |
| Anteil der Spielerinnen mit Dutt |
ca. 60 % im Profi-Frauenfußball |
| Jack Stephens – Rote Karte |
4. Dezember 2024, Southampton vs. Chelsea |
| Lisandro Martínez – Rote Karte |
13. April 2026, Manchester United vs. Leeds United |
| Automatische Sperre nach Rot |
Drei Spiele (Standardstrafe bei „violent conduct”) |
Warum führt Haareziehen im Fußball zur Roten Karte?
Regel 12 der IFAB definiert „violent conduct” als den Einsatz oder Versuch des Einsatzes übermäßiger Härte oder Brutalität gegen eine andere Person, wenn nicht um den Ball gekämpft wird. Haareziehen fällt in diese Kategorie, weil es außerhalb eines Zweikampfs um den Ball stattfindet und als Angriff auf den Körper gilt – nicht als bloßes Festhalten am Trikot.
Regel 12: Fouls und unsportliches Betragen
Die IFAB (International Football Association Board) macht keinen Unterschied zwischen Frauen- und Männerfußball: Regel 12 gilt geschlechtsunabhängig. In der Praxis wird Haarziehen als Unterfall von „violent conduct” behandelt, nicht als „serious foul play”, da es typischerweise abseits des Ballkampfs geschieht.
Die ehemalige FIFA-Schiedsrichterin Christina Unkel erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, dass beim Haarziehen „die Absicht keine Rolle spielt” – allein die Tatsache, dass Haare gegriffen und gezogen werden, reiche für eine Rote Karte nach dem Regelwerk.
Schwere des Vergehens im Vergleich zu anderen Fouls
Ein wesentlicher Punkt: Trikotziehen wird in der Regel mit Gelb bestraft, während Haarziehen als Rote Karte-würdig gilt. Der Tagesspiegel erklärt dies damit, dass Haare Teil des Körpers sind – nicht ein textiles Kleidungsstück. Der Griff ins Haar wird daher als rohe Gewaltanwendung eingestuft.
Die Schwere des Vergehens zeigt sich auch in der automatischen Sperre: Wer die Rote Karte wegen Haarziehens erhält, wird automatisch für drei Spiele gesperrt – eine Strafe, die über die rein sportliche Konsequenz hinausgeht und den gesamten Saisonverlauf beeinflussen kann.
Warum das relevant ist
Die automatische Dreispiel-Sperre nach einer Roten Karte wegen Haarziehens macht den sporting endgültig: Ein einzelner Griff kann über den Ausgang einer Saison entscheiden – das erklärt die Schärfe der Debatte.
Ist Haareziehen beim Fußball immer eine Gewalttat?
Nicht jede Berührung der Haare führt zur Roten Karte. Mark Geiger, ehemaliger FIFA-Schiedsrichter, erläuterte in The Athletic, dass unbeabsichtigtes Hineingeraten der Hand in Haare ohne klaren Ziehimpuls nicht zwingend als Rot-Vergehen gewertet wird. Entscheidend ist die bewusste, ziehende Bewegung.
Definition von Gewalttat im Fußballrecht
Die IFAB fasst unter „violent conduct” zusammen: die Verwendung oder der Versuch, übermäßige Härte oder Brutalität gegen eine andere Person anzuwenden. Explizit heißt es, dass ein Spieler, der außerhalb eines Zweikampfes absichtlich einen Gegner am Kopf oder im Gesicht mit Hand oder Arm trifft, grundsätzlich wegen „violent conduct” des Feldes verwiesen wird.
Abgrenzung: Absicht vs. unbeabsichtigtes Berühren
Der BBC Sport berichtete im Mai 2026 über die Frage, ob die automatische Einstufung von Haarziehen als „violent conduct” überdacht werden sollte. Klare Szenen – etwa bewusstes Zugreifen und Ziehen – lösen VAR-Überprüfungen aus und führen zur Roten Karte mit Dreispiel-Sperre. Grauzonen bleiben jedoch, insbesondere wenn Hände im Gerangel unabsichtlich ins Haar geraten.
Die Premier League reagierte auf diese Unschärfe: Ab der Saison 2026/27 sollen Schiedsrichter stärker zwischen klarer, brutaler Handlung und geringerem Ziehen unterscheiden.
Anmerkung der Redaktion
Die FA (Football Association) hat in ihrer Übersicht zu den Regeländerungen 2026/27 keine explizite neue Klausel zu Haarziehen in Law 12 aufgenommen. Die Änderung erfolgt über Leitlinien – der Regeltext selbst bleibt unverändert. Das bedeutet: In der Bundesliga, Champions League und anderen Ligen gilt weiterhin die strikte Auslegung.
Wird die Regel zum Haareziehen in der Premier League gelockert?
Ja – aber nur für die Premier League und nur ab der Saison 2026/27. Wie BBC Sport am 12. Juni 2026 berichtete, will die Premier League die Praxis von automatischen Roten Karten bei jeder Form von Haarziehen lockern. Schiedsrichter sollen künftig Absicht und Intensität stärker berücksichtigen.
Premier League kündigt neuen Ansatz an
Die PGMOL (Professional Game Match Officials Limited) hatte vor der Saison 2025/26 noch verfügt, dass Haarziehen grundsätzlich als „violent conduct” mit Rot zu ahnden sei. Nach drei Roten Karten in einer Saison – darunter die Fälle Jack Stephens (Dezember 2024), Lisandro Martínez (April 2026) und Dan Ballard – wurde die Debatte so intensiv, dass ein Umdenken einsetzte.
Ab wann gelten die neuen Regeln?
Laut BBC sollen ab 2026/27 nur noch Haarzieh-Aktionen mit „klarer, bewusster Handlung” und „übermäßiger Härte und/oder Brutalität” zur Roten Karte führen. Geringere Vergehen können als Gelb eingestuft werden.
Die FA bestätigte im Mai 2026, dass keine explizite neue Bestimmung zu Haarziehen in Law 12 eingefügt wird. Die Anpassung erfolgt über Auslegung und Leitlinien – nicht über den Regeltext.
Einschränkung
Diese Lockerung betrifft ausschließlich die Premier League. Für Bundesliga, Champions League und internationale Wettbewerbe gelten weiterhin die bisherigen Leitlinien. Spieler in deutschen oder europäischen Wettbewerben profitieren nicht von der englischen Sonderregel.
Strafe für Haarziehen: Bundesliga, Premier League und Champions League im Vergleich
Die Regelauslegung variiert je nach Wettbewerb erheblich. Während die Premier League ab 2026/27 eine differenzierte Betrachtung einführt, halten andere Ligen am strikten IFAB-Standard fest – mit spürbaren Folgen für betroffene Spieler und Vereine.
| Wettbewerb |
Bisherige Praxis |
Ab 2026/27 |
| Premier League |
Automatisch Rot bei Haarziehen |
Intensität und Absicht werden berücksichtigt; leichte Fälle = Gelb |
| Bundesliga |
Rot bei bewusstem Ziehen; im Frauenfußball besonders streng |
Keine Änderung angekündigt |
| Champions League |
Rot nach IFAB-Standard (Regel 12) |
Keine Änderung angekündigt |
| La Liga / Serie A |
IFAB-Standard |
Keine Anpassung geplant |
| Women’s Super League (England) |
Rot nach IFAB-Standard |
Folgt Premier-League-Leitlinien (Frauenwettbewerbe inklusive) |
Was sich zeigt: Die Premier League geht als erste große Liga einen Sonderweg. Bundesliga und Champions League halten vorerst am IFAB-Standard fest – auch im Frauenfußball.
Droht im Fußball eine Dutt-Pflicht wegen Haareziehen?
Nach der Roten Karte gegen Franziska Kett im Champions-League-Halbfinale 2026 – der Tagesspiegel berichtete darüber als klassischen Rot-Fall – wurde die Forderung nach einer Dutt-Pflicht lauter. Der Gedanke: Wer lange Haare trägt, bietet mehr Angriffsfläche.
Debatte nach dem Vorfall mit Franziska Kett
Rund 60 Prozent der Profispielerinnen in der Bundesliga tragen einen Dutt – primär aus praktischen Gründen, nicht aus Sicherheitserwägungen. Eine offizielle Pflicht wird es nach Aussagen des DFB jedoch nicht geben.
Pro und Contra einer Frisurenpflicht
Upsides
- Weniger Angriffsfläche für Haarzieh-Versuche
- Einheitliche Regelung im gesamten Spielbetrieb
- Prävention statt nachträglicher Bestrafung
Downsides
- Eingriff in persönliche Entscheidungen der Spielerinnen
- Männerfußball bleibt exempt – Regelung wirkt unausgewogen
- Haarziehen bleibt auch mit Dutt möglich (kurze Stoppeln, Stirnband)
Die Debatte bleibt offen: Während einige Trainer und Funktionäre Prävention durch einheitliche Frisuren fordern, sehen Kritiker darin einen unverhältnismäßigen Eingriff in die persönliche Freiheit der Athletinnen.
Wie schmerzhaft ist Haareziehen laut Medizinern?
Die Haarwurzeln gehören zu den empfindlichsten Körperregionen. Studien, unter anderem an der Universität zu Köln, ordnen die Schmerzintensität von Haarziehen auf einer Skala von 1 bis 10 bei etwa 8,2 ein – vergleichbar mit einem starken Stoß oder Schlag.
Warum Haareziehen so weh tut
Jede Haarwurzel ist über Nervenfasern mit dem Nervensystem verbunden. Werden Haare gezogen, werden diese Nervenfasern direkt stimuliert – ein körpereigener Alarmmechanismus, der als extrem unangenehm empfunden wird. Anders als ein Schlag auf den Muskel verteilt sich der Schmerz hier auf einen konzentrierten Punkt.
Mögliche Verletzungen durch Haareziehen
Zu den Risiken zählen Haarbruch an der Wurzel, Kopfhautverletzungen und in seltenen Fällen Haarausfall. Im Profifußball kommen diese körperlichen Folgen zur sportlichen Strafe (Rote Karte, Sperre) hinzu – ein doppelter Nachteil für die betroffene Spielerin.
Die Paradoxie
Die Schmerzhaftigkeit begründet die Strenge der Roten Karte: Wer so deutlich leidet, verdient Schutz. Doch die automatische Ahndung trifft auch Spieler, deren Hände im Gedränge unabsichtlich ins Haar geraten – ein Problem, das selbst die Premier League 2026 nur teilweise entschärfen will.
Warum wird Haareziehen im Frauenfußball härter bestraft?
Statistisch fallen mehr Rote Karten wegen Haarziehens im Frauenfußball auf – nicht wegen strengerer Regeln, sondern wegen längerer Haare. Wer lange Haare trägt, bietet mehr Angriffsfläche, und Schiedsrichter reagieren sensibler, wenn ein Griff ins Haar sichtbar ist.
Fallbeispiel: Hendrich bei der Frauen-EM
Bei der Frauen-EM wurde eine deutsche Spielerin nach einem Haarzieh-Vorfall vom Platz gestellt. Der Vorfall zeigte, wie schnell ein Moment außer Kontrolle geraten kann – und wie schwer es ist, im Zweikampf die Grenze zwischen Aktion und Reaktion zu ziehen.
Unterschiede in der Regelauslegung
Die The Athletic berichtete im April 2026 über einen Vorfall im Chelsea-vs.-Arsenal-Spiel, bei dem Katie McCabe Alyssa Thompson am Haar gezogen hatte. Christina Unkel, mehrfach als Regel-Expertin zitiert, bewertete den Fall als „klaren Haarzug”, der als „clear and obvious error” ohne Zweifel eine Rote Karte hätte nach sich ziehen müssen.
Die Absicht spielt keine Rolle – allein die Tatsache, dass Haare gegriffen und gezogen werden, reicht für eine Rote Karte nach dem Regelwerk.
Christina Unkel, ehemalige FIFA-Schiedsrichterin, Tagesspiegel
Ein Haarziehen heutzutage – das ist eine Rote Karte. So einfach ist das.
Gary Neville, Kommentator, The Independent
Fazit: Die IFAB-Regel 12 ist eindeutig – doch die Praxis bleibt umstritten. Wenn Schiedsrichter innerhalb von Sekunden entscheiden müssen, ob ein Griff absichtlich war, bleibt Spielraum für Kontroversen. Die Premier League hat 2026 den ersten Schritt zur Differenzierung gemacht; ob Bundesliga und UEFA nachziehen, ist offen.
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Häufig gestellte Fragen
Darf man im Fußball an den Haaren ziehen?
Nein. Nach Regel 12 der IFAB gilt Haarziehen als „violent conduct” und wird in der Regel mit einer Roten Karte bestraft. Es gibt keine Ausnahme, die Haarziehen erlaubt.
Welche Strafe droht beim Haareziehen?
Standardstrafe ist die direkte Rote Karte, gefolgt von einer automatischen Dreispiel-Sperre. In der Premier League soll ab 2026/27 bei geringerer Intensität nur noch Gelb drohen.
Ist Haareziehen eine Tätlichkeit?
Ja, im Fußballrechtlichen Sinne wird Haarziehen als Tätlichkeit eingestuft – als Angriff auf den Körper einer anderen Person außerhalb des Ballkampfs.
Warum bekommen Frauen öfter Rot für Haareziehen?
Frauen tragen statistisch häufiger lange Haare, was mehr Angriffsfläche bietet. Die Regelauslegung ist dieselbe wie bei Männern, aber die Sichtbarkeit des Vergehens ist bei langen Haaren höher.
Gibt es eine Dutt-Pflicht im Fußball?
Der DFB und andere Verbände haben keine Dutt-Pflicht eingeführt. Etwa 60 Prozent der Bundesliga-Spielerinnen tragen freiwillig einen Dutt, aber eine offizielle Vorschrift existiert nicht.
Wann wird Haarziehen nur mit Gelb bestraft?
Wenn kein bewusster Ziehimpuls vorliegt – etwa bei unabsichtlichem Berühren im Gedränge. Ab 2026/27 soll in der Premier League stärker zwischen Intensitätsstufen differenziert werden.
Hat die Premier League die Regel geändert?
Nicht den Regeltext, aber die Leitlinien. Ab der Saison 2026/27 bewerten Schiedsrichter Absicht und Intensität stärker; leichte Fälle können mit Gelb geahndet werden.
Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, findet im Wechselfenster Bundesliga: Regeln, Anzahl und Taktik einen Überblick über weitere football-regulatorische Grundlagen.